Der Hunger nach Präsenz

Warum Kinder mehr von uns wollen

6 Uhr früh, der Wecker klingelt.

Er klingelt bewusst etwas eher, sodass ich FÜR MICH noch etwas Raum habe, bevor der Tag mit meiner Tochter startet. Ich setze mich im Bett auf und atme durch. Danke der Nacht und blicke dann auf den Tag, der vor mir liegt. Begrüße ihn, lade ihn in mein Herz ein. Verbunden mit meinem Körper stelle ich mir dann innerlich die Frage: „Was sind die 3 wichtigsten Dinge für mich heute, die umgesetzt werden wollen.“ Ich lausche… langsam, ganz langsam taucht eine Energie in mir auf. Ich bekomme eine Ahnung. Warte ab. Plötzlich kommt die Antwort. Ich merke sie mir und lausche noch auf die nächsten zwei Antworten.

Jetzt kann‘s in den Tag losgehen, ich bin bereit für meine Tochter ganz da zu sein am Morgen, denn in mir ist es ruhig und geklärt. Ich freue mich auf sie. Ich freue mich auf einen schönen Morgen, mit all dem, was es auch zu „tun“ gibt – frühstücken, anziehen, zum Kindergarten fahren, etc. Diese 10 Minuten im Bett zuvor, haben mir so viel innere Ruhe und Ausrichtung gegeben, dass ich diese Gelassenheit in den Morgen trage. Dass ich bei mir, in meinem Körper bin, präsent. Für einen Morgen ohne Hektik. Für einen Start in den Tag, der sowohl für mich als auch für meine Tochter mehr einem fließen gleicht, als einem abhaken.

Es gibt nichts Schöneres, das du deinem Kind schenken kannst, als präsent zu sein. Als dich deinem Kind so oft es dir möglich ist am Tag voll hinzugeben. Einfach in der Situation, die sich euch gerade zeigt, die gerade zu bewältigen ist.

Wie z.B. beim Anziehen am Morgen vor dem Kleiderschrank:

Stelle dir einmal vor, dein Kind steht überfordert am Morgen vor dem Kleidungsschrank und weiß nicht, was es anziehen will. Es wird vielleicht wütend, fängt an zu weinen. Alle deine Ideen werden abgelehnt. Alles scheint nicht richtig zu sein.

Wie wäre es in einem solchen Moment, wenn du dein Kind einfach in den Arm nimmst, es kuschelst und ihm das Gefühl gibst, dass es in Ordnung ist diese großen Gefühle genau jetzt wegen dieser Situation zu fühlen. Wenn du magst, kannst du sogar noch aussprechen, was du gerade wahrnimmst, wenn du dich in dein Kind hineinversetzt: „Du bist gerade verzweifelt und genervt, weil du einfach nicht das richtige Kleidungsstück finden kannst. Das kann ich gut verstehen, das geht mir auch an manchen Tagen so.“ Und dann hälst du einfach weiter den Raum und beobachtest.

Vermutlich hat sich dein Kind in diesem Moment so gesehen gefühlt, dass die Gefühle weiterziehen konnten und plötzlich Klarheit entstand. Eine Klarheit, die nicht von außen, von dir kam, sondern die sich ganz natürlich hat im Kind entwickeln können.

Damit hast du das größte Geschenk deinem Kind gemacht, das du ihm hast machen können. Du hast es in Kontakt mit sich selbst gebracht. Es war verbunden mit sich, mit seinen Gefühlen, hat gespürt, dass es auch bei großen, unangenehmem Gefühlen geliebt wird und konnte aus sich heraus eine Antwort finden.

 

Dabei warst du doch „einfach nur“ da. Ist das nicht ein Wunder?
Du hast dein Kind beobachtet, hast es geliebt und vielleicht noch die Gefühle und Bedürfnisse des Kindes benannt.

Von dir kamen keine Vorschläge, du hast nicht versucht eine Lösung zu finden, oder musstest irgendwelche Schritte beachten. Einfach nur deine Liebe und Präsenz haben völlig ausgereicht, sodass dein Kind durch seine Gefühle gehen konnte und dann auch noch selbst eine Lösung hat finden können.

Jedes Kind sehnt sich tief in sich nach dieser Verbindung.
Nach diesen Momenten in eurer Beziehungszeit, in der es sich vollständig angenommen und gesehen fühlt, mit dem was gerade in ihm/ ihr los ist.

Selbstverständlich darfst du dich genauso authentisch und ehrlich zeigen. Mit all dem, was gerade bei dir los ist. Auch bei einem kleinen Kind. Viele haben das Gefühl, dass sie manche Gefühle vor ihrem Kind verbergen müssten, das das Kind damit nicht umgehen könnte. Doch was wäre dir lieber als Kind, ehrlich zu hören, wie es deiner Mutter gerade geht um somit eine Rückmeldung zu bekommen, die sich wahrhaftig anfühlt, oder eine Fassade zu spüren?

Also auch du darfst aussprechen, was gerade in dir wohnt. Auch du kannst sagen: „Schatz, ich bin gerade überfordert mit mir und müde, weil mein heutiger Tag viele Herausforderungen für mich bereit gehalten hat. Daher kann ich gerade vielleicht nicht 100% für dich da sein.“
Auch diese Antwort wird deinem Kind eine Rückmeldung geben, sodass es sich wertgeschätzt fühlt. Denn auch in diesen Worten liegt die Botschaft: „Ich sehe dich und dein Bedürfnis nach Nähe, bin jedoch momentan nicht in der Lage diesem nach zu gehen, weil es mir selbst nicht gut geht.“ Das öffnet den Raum dann gemeinsam zu schauen, was jetzt für beide schön wäre.

Es ist diese Verbindung, Liebe, Nähe, die alles da sein lässt. So, wie es jedem gerade im Moment geht. Das ist die Magie des Alltags für dich und dein Kind.

Wir Mütter, Eltern natürlich generell, haben daher eine so wertvolle Aufgabe, wenn wir für unsere Kinder bewusst da sind. Und natürlich wird es diese Tage geben, wo einfach nichts klappt. Auch ich habe diese Tage, nach denen ich das Gefühl habe, nicht wirklich da gewesen zu sein, wie ich es mir eigentlich gewünscht hätte. Auch das ist ganz normal.

Forscher haben herausgefunden, dass es für ein Kind bereits reicht, wenn es 20 Minuten am Tag Quality Time mit einem Elternteil hatte, um eine gesunde Beziehung aufzubauen. Um zu lernen, die Beziehung funktioniert und eine Basis zu haben, gesunde Beziehungen auch selbst im Leben aufbauen zu können. Ich finde diese Information nimmt ganz viel Druck von uns. Es ist machbar.

In einer Welt, die sich immer schneller dreht ist es schon eine Art „Kunst“, die wir wieder erinnern und erlernen dürfen, präsent zu sein. Ganz im Moment zu sein. Aber, es ist machbar. Ist das nicht schön?

Ich habe ebenso einen Beitrag geschrieben, wie viel Freizeit Aktivitäten einem Kind eigentlich gut tun.  Auch hier ist es weniger, als wir denken.

 

 

Fazit


Einfachheit siegt.
Unsere Kinder sind bereits vollkommen. Sie wollen nicht zugeschüttet, oder gemanagt werden. Sie sehen sich einfach nur nach einem Raum, in dem sie sich selbst erfahren dürfen und somit verbunden bleiben mit den Geschenken, die sie mitgebracht haben. Dafür braucht es eher Leere und eine Mutter, die als Hebamme für das Kennenlernen des Mensch Seins dem eigenen Kind zur Verfügung steht.

Dich hat es auf diese Seite geführt. Ich glaube fest daran, dass du genau diese Sehnsucht in dir trägst und es für dich möglich ist bewusst Mama Sein zu verkörpern.

 

 

 

Gleichgewicht

 

Your inner wisdom journey
Deine Reise zu dir selbst

1 Kommentar

  1. Ulrich

    Auch als Vater konnte ich in den letzten Monaten sehen, welche Auswirkungen Stress auf die Beziehung zu meiner Tochter hatte. Und ja: ganz bewusst den eigenen Druck zurück fahren, ganz bewusst auf die Stufe des Kindes gehen, ganz bewusst innehalten, das ist alles, was es manchmal braucht. Und die Beschäftigung mit dem Thema…

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