Wenn Frauen zu sehr lieben

Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden

Es ist Wochenende.

Du wachst auf, ein neuer Tag ruft. Voller Vorfreude kuschelst du dich an deinen Partner und freust dich, neben ihm zu liegen. Einen gemütlichen Morgen zu verbringen.

Am liebsten würdest du den ganzen Tag so gemeinsam im Bett verbringen,
doch dein Partner wirkt abwesend.
Er ist in Gedanken in seiner eigenen Welt.
In dir fängt dein Gedankenkarussell an sich zu bewegen.
Was könnte IHN aufheitern? Was könntest du jetzt tun, um IHN glücklich zu machen?
Oder liegt es etwa an mir, dass er so unglücklich wirkt? Vielleicht ist etwas an mir falsch, dass es ihm nicht gut geht? War ich zu streng, zu unbequem, zu anstrengend die letzten Tage?

Du schaust auf die Uhr und erschrickst. Ist es wirklich schon so spät? Ihr hattet zwar zusammen gerade diese gemeinsame Zeit, aber verbunden hast du dich nicht wirklich mit ihm gefühlt. Deine Sorgen werden innerlich größer, von Minute zu Minute, von Tag zu Tag.

Kennst du diese Situation in deinem Alltag – hast du so schon mal die letzte Zeit gefühlt? Es geht vielen Frauen so und auch mir ging es lange so.

In einer Partnerschaft, die nicht im Fluss ist, tendieren wir Frauen dazu mit unserer kompletten Aufmerksamkeit beim Partner zu verweilen.

Zu analysieren, zu ergründen, zu hinterfragen, warum ER gerade abwesend, unglücklich, wütend, desinteressiert, etc. wirkt.

Wenn also all UNSERE Gedanken sich um IHN drehen, lieben wir zu sehr.
Wir sehen SEIN Potenzial und verlieren uns in diesem BILD, das wir uns über IHN gemacht haben.
Leider sind diese Bilder Idealzustände, Illusionen, die nichts mit dem Moment, mit der Realität, zu tun haben. Sie sind Projektionen in die Zukunft. Daher machen uns diese Bilder unglücklich.

Was uns glücklich macht ist im Moment zu sein, präsent und verbunden mit dem, was ist.
Verbundenheit entsteht aus einer authentischen Begegnung im Jetzt.
Ein fruchtbarer Boden einer Beziehung entsteht aus mehreren dieser Momente des sich Vertrauens, des da SEINS, der Hingabe an dein Gegenüber ohne zu wollen.

Es gibt aber noch eine zweite Dynamik, die uns Frauen bekannt ist.

Haben wir unsere Aufmerksamkeit von IHM abgewendet, laufen wir Frauen oft Gefahr den Fehler bei uns selbst zu suchen.

Das WIR nicht stimmen,
das WIR zu anstrengend, zu laut, zu wild, zu unweiblich, etc. sind.
Wir fangen dann an uns selbst zu bekämpfen, uns innerlich klein zu machen.

Wir kämpfen ununterbrochen gegen unseren eigenen Selbstwert an und fühlen uns am Ende unattraktiv, nicht liebenswürdig und leer.

Liebe ist in all diesen Situationen gleichbedeutend mit Schmerz und Leid.


Sowohl die eine Dynamik, als auch die andere Dynamik führen uns Frauen immer mehr in eine Abwärtsspirale. Sie führen uns in den Mangel, in das Gefühl, das die ganze Zeit etwas nicht stimmt – sei es in der Partnerschaft, bei ihm oder mit uns.
Es mag ja tatsächlich so sein, dass etwas nicht stimmt und gesehen werden mag, doch kommen wir nicht zu der Ursache, weil wir uns in unseren Gedankenkonstrukten und inneren Bildern bereits verloren haben.

Wenn wir unseren Partner wahrhaft lieben, bedingungslos, lieben wir ihn so wie er jetzt gerade ist. Ohne etwas zu wollen. Ohne etwas zu beeinflussen. Keine Hülle, sondern die Seele. Diese Liebe ist im Kern, tief in uns drin ruhig und immer spürbar – losgelöst von jeder Situation im Alltag.

Zum einen können wir nicht kontrollieren, wie sich der Seelenweg des Partners entfaltet und zu welchen Erkenntnissen und Entscheidungen er von sich heraus in der nahen Zukunft kommen wird. Noch können wir ihn verändern oder irgendetwas bewirken, indem wir auf ihn einreden, ihn versuchen zu überzeugen, oder ihm zu gefallen.

In all diesen Fällen sind wir mit unseren Energien nämlich bei IHM und nicht bei uns, wo wir tatsächlich etwas verändern können.

Unseren Partner bedingungslos zu lieben ist eine Kunst.
Sie braucht viel Übung.
Sie braucht vor allem viel Auseinandersetzung und Bereitschaft dich selbst kennenzulernen.
Mit dir selbst in Kontakt zu sein, jeden Moment.

Alles, was dein eigenes Herz wieder öffnet, füllt und nährt ist das, worauf du deine Aufmerksamkeit legen darfst. Wenn du hier ansetzt fängst du an die Abwärtsspirale in eine Aufwärtsspirale zu drehen. Es braucht Übung, Zeit und oft auch Hilfe einer neutralen dritten Person, die dich immer wieder an diesen Punkt führt.

 

Wenn du dir bewusst erlaubst dich zu beobachten, fängst du irgendwann an zu erkennen, wann deine Gedanken wieder zu IHM schweifen. Dann kannst du dich selbst stoppen und deine Aufmerksamkeit wieder auf DEINE Gefühle lenken. Immer wieder neu. Liebevoll mit dir, in Geduld, nicht aufgebend. Dann dienst du dir, ihm und eurer Beziehung zugleich.
Es nimmt den energetischen Druck aus der Beziehung. Es entsteht Raum. Raum zu atmen. Raum für beide, sich selbst wieder zu spüren und dann den Raum dazwischen überhaupt erstmal wieder neutral wahrnehmen zu können. Bevor er geformt wird.

 

Auch in einer Paarbeziehung, die aus zwei Personen besteht, sollte der Hauptfokus daher auf dir liegen.

Zu Beginn war ich mit dem Aufwachbeispiel im Bett gestartet. Wie könnte die gleiche Situation anders verlaufen? Du könntest als erstes mit dir selbst in Kontakt gehen und deinen Körper fühlen. Wahrnehmen was gerade in dir los ist und dich fragen, was heute essentielles auf dich wartet. Deiner eigenen, inneren Führung lauschen. Aus dieser inneren Klarheit und Führung bist du mit deinen Energien bei dir und im zweiten Schritt kannst du dann in den Dialog gehen. Dann entsteht aus diesem freien Raum ein Tanz, bis ihr beiden eine Idee für den Tag bekommen habt.

Auf dem Weg der Heilung dürfen wir jedes Mal einen Schritt weiter und tiefer gehen. 

Wir haben einen großen Schritt getan, indem wir erkannt haben, dass wir IMMER nur bei uns selbst anfangen können. Alleine das Bewusstsein darüber und die Intension bei dir etwas ändern zu wollen, ist dein erster Schritt. 

Oftmals gehen wir zudem davon aus, dass unser Partner genauso handeln, denken und Entscheidungen treffen sollte, wie wir es tun würden. Wir haben ERWARTUNGEN an ihn. Diese Erwartungen können nicht erfüllt werden, weil auch sie Illusionen sind und es kommt in vielen Alltagssituationen zu Ent-täuschungen. Die Täuschung wird losgelassen, bzw. muss losgelassen werden.

Daher ist ein schöner zweiter Schritt einmal deine Erwartungshaltungen ihm gegenüber anzuschauen. Was erwartest du von ihm? Wie soll er sich verhalten? Wann hast du das letzte Mal genau deshalb einen Konflikt mit ihm gehabt?

Wenn du Lust hast darüber hinauszugehen, lade ich dich ein dir in einem nächsten Schritt einmal ganz ehrlich deinen IST-Zustand deiner Beziehung anzuschauen.
Hier sind ein paar Impulsfragen für dich, die du dir intuitiv beantworten kannst, wenn du magst:

Wie hat alles angefangen? Erinnere die Anfangsmagie.
Was schätzt du an deinem Partner? Was macht dich glücklich? Erinnere das Schöne.
Wie möchtest du dich in deiner Beziehung fühlen? Worauf legst du wert? Teilt ihr beide diese Werte?
Habt ihr eine gemeinsame Vision für eure Beziehung?
Liebst du ihn so wie er ist, oder sein Potenzial? Welche Stimmung herrscht bei euch zu Hause?
Habt ihr noch Sex miteinander?
Geht ihr liebevoll aufeinander ein?
Redet ihr miteinander, was euch berührt und beschäftigt?
Wie ist eure Kommunikation und was würdest du dir hier wünschen?

Und jetzt kommt der schwerste Teil. Deine Beziehung loszulassen. Erst dann wird der Raum zwischen euch richtig frei.

Mit loszulassen meine ich dieses innere Gefühl die Beziehung „um jeden Preis haben zu wollen“. Wir wollen eine Beziehung oder einen Partner um jeden Preis haben, Hauptsache wir sind in einer Beziehung. Dadurch halten wir fest. Aus Angst vor dem, was danach kommen könnte.

Wir bleiben also lieber in einer Situation gefangen, die uns vermeintliche Sicherheit verspricht, um nicht alleine dazustehen. Ich kenne es nur zu gut an mir selbst. Dies ist der schwierigste Schritt. Sie im ersten Moment innerlich loszulassen. Das Besondere ist, dass es nicht unbedingt heißen muss, dass die Beziehung auseinandergeht. Wenn wir wirklich losgelassen haben, kann sich uns die Wahrheit im zweiten Schritt zeigen. Dann kann sich eure Reise anfangen zu erschließen, zu heilen, zu befreien, sodass das was wahrhaft deins ist und dir gut tut, übrig bleiben wird.

Übergib deine Beziehung richtig körperlich mit deinen Händen an eine höhere Instanz, an die göttliche Intelligenz, denn für jede Beziehung gibt es eine Kraft, die die Wahrheit kennt.
Mit diesem Punkt kannst du dich verbinden und loslassen. Antworten werden folgen. Klarheit und Ruhe wird einkehren. Du wirst die Essenz eurer Begegnung und euren gemeinsamen Auftrag spüren.

 

Du wirst merken, dass dein Fokus vom Partner weicht und ein ganz neuer Weg für euch sichtbar wird. Und dieser Weg ist so verschieden wie es Beziehungen gibt. Es wird euer Weg sein. Individuell. Mit all dem, was für euch dazugehört.

Und weißt du, was das Schönste ist?

Du wirst belohnt. Belohnt mit dir. Mit deinem glücklich-sein! Denn du wirst in den Prozess geworfen, dich selbst glücklich zu machen und das ist der einzige Weg. Deine innerlichen Abhängigkeiten zu lösen.

Erst dann kann wahre, freie Liebe in dein Leben treten. Erst dann kannst du einen Partner anziehen, oder sich eine Partnerschaft mit einem Mann formen, der auch in seiner ganzen Kraft steht und der es gut mit dir meint. Der dich sieht, der dich wertschätzt, der dich wahrhaftig liebt. Denn du liebst dich, du bist glücklich mit dir und „brauchst“ keinen Partner mehr an deiner Seite um deine eigene, innere Leere zu füllen. Es ist dann ein Geschenk mit dir zu sein und dieses Geschenk strahlst du nach außen. Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Weg gehen.

Ich wünsche dir das Geschenk bedingungsloser Liebe.

Wenn du spürst, dass diese Zeilen etwas in dir bewegt haben bin ich gerne deine Begleitung. Manchmal braucht es eine liebende und trotzdem bestimmende Führung, um sich aus einer solchen Situation zu befreien. Manchmal sind die Stricke, die wir gebunden haben, so stark, dass es nach Unterstützung ruft.
Sei es dir Wert, diesen Schritt für dich zu gehen.  Wage es. Ich bin ihn für mich schon ein paar Mal in meinem Leben gegangen. Ja, in dem Moment war es mühselig, schmerzhaft und chaotisch. Im Nachhinein hat es mich jedes Mal mit noch mehr Schönheit in meinem Leben beschenkt. Mit noch mehr bei mir ankommen. Noch erfüllteren Begegnungen. Es lohnt sich.
Ich bin für dich da. 

 

 

Gleichgewicht

 

Your inner wisdom journey
Deine Reise zu dir selbst

6 Kommentare

  1. Julia

    Liebe Omara,
    oh ja, da erkenne ich mich in so manchen Punkten wieder… In all meinen Beziehungen hat sich mein Kosmos immer um ihn gedreht.

    Und ich kann dir nur zustimmen, es ist unglaublich wertvoll, sich Unterstützung zu holen. Alleine hätte ich vieles nicht erkannt – oder erkennen wollen 😉 liebe Grüße, Julia

    Antworten
    • Omara Evertz

      Danke für deine Ehrlichkeit und dein Mut hinzuschauen <3

      Antworten
  2. Kasime

    Liebe Omara
    Ein wundervoller Text mit sehr viel Wahrheit. Auch ich habe oft Partnerschaften so gelebt. Nur wenn wir uns selber glücklich machen, gedeiht eine Partnerschaft.

    Eine super schöne Homepage hast Du gestaltet – sehr ansprechend und voller interessanter Texte. Ich werde den Link an meine Kolleginnen weiterleiten.

    In Liebe Deine Kasime

    Antworten
    • Omara Evertz

      Danke von Herzen Kasime, für deine ehrliche und mein Herz berührende Rückmeldung. Und danke für die Weiterempfehlung. Was für ein Geschenk.

      Antworten
  3. Betül

    Liebe Omara, wahre Worte! Bist du selbst glücklich, so wird um Dich herum die Energie sich positiv verändern.

    Eine tolle Homepage visuell, sowohl als auch mit sinnlichem Text. Du schreibst im Fluss, so dass ich weiterlesen möchte:) weiter so

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.